US-amerikanische Fintech-Verbände drängen die Federal Reserve dazu, mit einem Vorschlag voranzukommen, der bestimmten Nichtbanken-Finanzunternehmen einen direkten Zugang zur Zahlungsinfrastruktur der Zentralbank ermöglichen würde. Dieser Schritt könnte still und leise verändern, wie krypto-nahe Unternehmen Transaktionen abwickeln.

Angeführt wird die Initiative vom American Fintech Council, der argumentiert, dass ein eng umrissenes „Payment Account“-Modell der Federal Reserve den Wettbewerb ausweiten und den Zahlungsverkehr modernisieren könne, ohne die Risiken einzuführen, die mit vollständigen Bankprivilegien verbunden sind.

„Ein gut konzipiertes Zahlungskonto kann Wettbewerb und verantwortungsvolle Innovation im Zahlungsverkehr fördern, ohne neue Risiken einzuführen“,
sagte Phil Goldfeder, CEO des Verbands, am Montag in einer Stellungnahme.

Ein enger gefasster Weg zum Fed-Zugang

Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob die Fed berechtigten Nichtbanken erlauben sollte, Zahlungen direkt über ihre Bilanz zu verrechnen und abzuwickeln, ohne ihnen ein vollständiges Master Account zu gewähren. Ein solches Konto geht in der Regel mit verzinsten Guthaben, Zugang zum Discount Window und umfassenderen Bankprivilegien einher.

Im derzeit diskutierten Modell wäre ein Zahlungskonto mit strengen Einschränkungen versehen. Übernachtguthaben würden begrenzt, keine Zinsen gezahlt, Notfallkredite ausgeschlossen und die Nutzung auf finale Abwicklungssysteme wie Fedwire beschränkt, mit einer möglichen Einbindung von FedNow.

Fintech-Verbände, die den Vorschlag unterstützen, argumentieren, dass das aktuelle Sponsorbanken-Modell Zahlungsdienstleister dazu zwinge, über Intermediäre zu arbeiten. Das erhöhe Kosten, verlangsame die Abwicklung und konzentriere operative Risiken auf eine kleine Zahl von Banken.

Sie vertreten die Ansicht, dass direkter Abwicklungszugang, ohne Kreditvergabe- oder Einlagenbefugnisse, die Effizienz steigern könne, ohne die Finanzstabilität zu gefährden.

Banken warnen vor systemischen Risiken

Bankenverbände sehen das Thema hingegen deutlich kritischer.

In einer gemeinsamen Stellungnahme, die vergangene Woche eingereicht wurde, warnten das Bank Policy Institute, die Clearing House Association und das Financial Services Forum, dass Zahlungskonten einen erheblichen politischen Kurswechsel darstellen würden. Sie würden es nicht oder nur gering beaufsichtigten Instituten ermöglichen, direkt mit der Federal Reserve zu interagieren.

Selbst mit Guthabenobergrenzen und funktionalen Beschränkungen argumentieren die Banken, dass solche Konten einlagenähnliche Aktivitäten außerhalb des staatlichen Sicherheitsnetzes ermöglichen könnten. Dies erhöhe das Risiko von Bank-Runs und schwäche den bestehenden Rahmen aus Einlagensicherung und aufsichtsrechtlicher Kontrolle.

Das gemeinsame Schreiben nennt ausdrücklich Stablecoin-Emittenten und andere krypto-nahe Geschäftsmodelle als Beispiele für Unternehmen, die von einem vereinfachten Zugang zur Fed-Abwicklung profitieren könnten, obwohl ihnen die regulatorischen Schutzmechanismen von Banken fehlen.

Auch wenn der Vorschlag der Fed Krypto nicht explizit erwähnt, argumentieren Bankenverbände, dass gerade krypto-nahe Unternehmen zu den wahrscheinlichsten Nutzern eines maßgeschneiderten Kontos zählen würden, das eine Abwicklung in Zentralbankgeld ohne vollständige Aufsicht erlaubt.

Zudem äußerten sie Bedenken hinsichtlich Geldwäscheprävention, Sanktions-Compliance und operativer Resilienz, falls Nichtbanken direkten Zugang zu kritischen Zahlungssystemen erhalten.

Eine bekannte Trennlinie

Die Debatte erinnert an frühere Auseinandersetzungen über den Zugang zum Federal-Reserve-System, darunter der weiterhin laufende Rechtsstreit um die Custodia Bank.

Custodia, eine in Wyoming lizenzierte Krypto-Bank, hat wiederholt gegen die Weigerung der Fed geklagt, ihr ein Master Account zu gewähren. Sie argumentiert, die Aufsichtsbehörden blockierten damit faktisch neue Bankmodelle. Die Gerichte stellten sich jedoch auf die Seite der Fed und bestätigten ihren weitreichenden Ermessensspielraum, den Zugang im Interesse der Finanzstabilität zu verweigern.

Dieser Hintergrund prägt auch die aktuelle Diskussion, selbst wenn die Fed das Zahlungskonto als exploratives, begrenztes Modell und nicht als umfassende Öffnung des Systems darstellt.

Signale von der Fed

Auf einer Konferenz am Montag befeuerte Fed-Gouverneur Christopher Waller die Debatte weiter. Er erklärte, die Zentralbank erwäge, bis zum Jahresende ein abgespecktes („skinny“) Master Account einzuführen.

Ein solches Konto würde begrenzten Zugang zum Zahlungsverkehr bieten, jedoch keine Verzinsung von Guthaben und keinen Zugang zum Discount Window erlauben – eine Struktur, die dem derzeit diskutierten Zahlungskonto-Konzept stark ähnelt.

Wie die Fed diese Frage letztlich entscheidet, könnte darüber bestimmen, ob die Grenze zwischen Banken, Fintechs und krypto-nahen Unternehmen im US-Zahlungssystem bestehen bleibt – oder ob sie beginnt, sich aufzulösen.

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