Eine Gruppe von WhatsApp-Nutzern aus Australien, Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika hat am Freitag Klage gegen Meta Platforms beim US-Bezirksgericht in San Francisco eingereicht. Laut Bloomberg werfen sie dem Unternehmen vor, die Sicherheit und den Datenschutz seines Messaging-Dienstes falsch dargestellt zu haben.
Die Kläger behaupten, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp Meta nicht daran hindere, auf Nutzernachrichten zuzugreifen, diese zu speichern oder zu analysieren. Sie werfen Meta und WhatsApp vor, „praktisch sämtliche angeblich ‚privaten‘ Kommunikationen der WhatsApp-Nutzer zu speichern, zu analysieren und darauf zugreifen zu können“.
Mit der Klage soll eine Sammelklage im Namen von Milliarden von WhatsApp-Nutzern weltweit zugelassen werden. Die Kläger argumentieren, dass Metas Aussagen zum Datenschutz einen Betrug darstellen.
Meta weist Vorwürfe zurück und kündigt rechtliche Schritte an
Der Meta-Sprecher Andy Stone reagierte auf die Klage, bezeichnete sie als „haltlos“ und erklärte, das Unternehmen werde Sanktionen gegen die Anwälte der Kläger beantragen.
„Jede Behauptung, dass WhatsApp-Nachrichten nicht verschlüsselt seien, ist kategorisch falsch und absurd“, sagte Stone. „WhatsApp ist seit einem Jahrzehnt mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unter Verwendung des Signal-Protokolls gesichert. Diese Klage ist ein haltloses Werk der Fiktion.“
Das Unternehmen betont, dass die Verschlüsselung verhindere, dass irgendjemand außerhalb des Chats – einschließlich WhatsApp selbst – Nachrichten lesen oder weitergeben könne. Meta übernahm WhatsApp im Jahr 2014 und hebt die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als zentrales Merkmal der Messaging-Plattform hervor.
Kläger berufen sich auf Whistleblower und frühere Geldstrafen
In der Klageschrift wird auf nicht näher benannte „Whistleblower“ verwiesen, die angeblich Informationen über Metas Zugriff auf Nutzernachrichten geliefert haben. Details zur Identität dieser Quellen wurden nicht offengelegt.
Der Fall folgt auf frühere Untersuchungen der Datenpraktiken von WhatsApp. Im Jahr 2021 verhängte der irische Datenschutzbeauftragte eine Geldstrafe in Höhe von 225 Millionen Euro gegen WhatsApp wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Zusammenhang mit der Weitergabe von Daten an andere Meta-Unternehmen. Meta legt gegen diese Geldstrafe Berufung ein.
Wachsende Datenschutzbedenken bei zentralisierten Messengern
Die Klage fällt in eine Zeit zunehmender Sorgen der Nutzer über den Datenschutz bei zentralisierten Messaging-Plattformen. Viele Nutzer suchen nach Alternativen mit transparenteren Verschlüsselungsprotokollen. Pavel Durov, CEO von Telegram, äußerte Unterstützung für die Kläger und erklärte:
„Man müsste hirntot sein, um im Jahr 2026 zu glauben, dass WhatsApp sicher ist. Als wir analysierten, wie WhatsApp seine ‚Verschlüsselung‘ implementiert hat, fanden wir mehrere Angriffsvektoren.“
Experten weisen darauf hin, dass einige Messenger, darunter Telegram, zwar Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten, diese jedoch nicht standardmäßig aktivieren. Andere wie Signal und Viber verfügen über integrierte Verschlüsselungsfunktionen, die den Schutz der Privatsphäre der Nutzer strenger gewährleisten sollen.
Dezentrale Alternativen gewinnen an Bedeutung
Der Fall fällt zusammen mit der zunehmenden Verbreitung dezentraler Messaging-Plattformen. Anwendungen wie Bitchat, das von Jack Dorsey gestartet wurde, ermöglichen private Kommunikation über Bluetooth-Mesh-Netzwerke ohne Internetzugang. Bitchat verzeichnete steigende Downloadzahlen in Ländern wie Uganda, Iran, Nepal, Indonesien und Jamaika, in denen Nutzer mit Einschränkungen sozialer Medien oder Kommunikationsproblemen bei Katastrophen konfrontiert sind.
Weitere dezentrale Messenger, darunter Session und X-Messenger, bieten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Standardfunktion und geben Nutzern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten.
Globale Auswirkungen auf den Datenschutz bei Messengern
Sollte das Verfahren als Sammelklage zugelassen werden, könnte es Auswirkungen auf Milliarden von WhatsApp-Nutzern weltweit haben. Die Kläger wollen die angeblichen „grundlegenden Datenschutzverletzungen und den Betrug“ durch Meta offenlegen, was eine breitere Überprüfung der Datenschutzpraktiken zentralisierter Messaging-Dienste nach sich ziehen könnte.
Der Fall unterstreicht die Spannung zwischen den Datenschutzversprechen von Unternehmen und dem tatsächlichen Vertrauen der Nutzer und verdeutlicht die wachsende Nachfrage nach transparenten und überprüfbaren Verschlüsselungslösungen.

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