Die Stablecoin-Bestände sind in den vergangenen zehn Tagen stark zurückgegangen und liefern ein klares Signal dafür, dass Kapital den Kryptomarkt verlässt, anstatt innerhalb des Marktes rotiert zu werden.
On-Chain-Daten von Santiment zeigen, dass die kombinierte Marktkapitalisierung der zwölf größten Stablecoins in diesem Zeitraum um rund 2,24 Milliarden US-Dollar gesunken ist und damit den Rückgang von Bitcoin von etwa 95.000 US-Dollar in den hohen 88.000er-Bereich nachzeichnete, wie CoinGecko-Daten belegen.
Bitcoin erholte sich am Tag leicht und stieg um etwa 1,4 % auf 88.500 US-Dollar, liegt jedoch über die vergangene Woche hinweg weiterhin mehr als 4 % im Minus. Die Kursentwicklung war bemerkenswert flach, ohne nachhaltige Anschlussbewegungen in beide Richtungen, selbst während die Liquidität weiter abfloss. Unter normalen Bedingungen wird Verkaufsdruck bei Bitcoin oder Altcoins häufig in Stablecoins umgeschichtet, während Händler auf bessere Einstiegspunkte warten.
Dieses Mal ist dieses Muster gebrochen.
Derivatemärkte spiegeln Vorsicht wider
Santiment merkte an, dass das sinkende Stablecoin-Angebot darauf hindeutet, dass Investoren in Fiat-Währungen aussteigen, anstatt sich für das Kaufen von Rücksetzern zu positionieren – ein Wandel, der häufig in Phasen erhöhter Unsicherheit oder sinkender Risikobereitschaft zu beobachten ist.
Die gleiche Zurückhaltung zeigt sich in der Positionierung an den Derivatemärkten. Das aggregierte Open Interest von Bitcoin ist laut Daten von Velo seit Wochen in einer engen Spanne gefangen und schwankt zwischen etwa 245.000 und 267.000 BTC.
Das Ausbleiben einer Ausweitung offener Positionen deutet darauf hin, dass Händler zögern, neue Hebel einzusetzen, was die Einschätzung verstärkt, dass Kapital eher zurücktritt, anstatt aggressiv innerhalb des Marktes zu rotieren.
Diese Stagnation fällt besonders auf, da Bitcoin historisch dazu neigt, während volatiler Phasen spekulative Positionierungen anzuziehen. Stattdessen weisen sowohl Spot- als auch Derivatedaten auf einen Markt hin, der defensiv ist, abwartet und zunehmend selektiv agiert.
Makrostress und die Anziehungskraft von Gold
Der Hintergrund dieser Abflüsse ist größtenteils makroökonomisch geprägt. Bitcoin hatte historisch Schwierigkeiten, während Phasen geopolitischer Spannungen, politischer Unsicherheit oder breiteren wirtschaftlichen Stresses Zuflüsse anzuziehen. Dieses Verhalten ist nach dem Allzeithoch im Oktober erneut zu beobachten, da sich verändernde globale Dynamiken und politische Signale risikobehaftete Anlagen belasteten.
Jordan Jefferson, Gründer der Dogecoin-App-Ebene DogeOS, beschrieb dieses Muster zuvor als ein wiederkehrendes Merkmal der Marktstruktur von Bitcoin. In unsicheren makroökonomischen Phasen zieht sich Kapital tendenziell zurück, anstatt opportunistische Einstiege zu suchen – insbesondere dann, wenn die Volatilität erhöht bleibt.
Gleichzeitig hat sich Gold erneut als bevorzugter Zufluchtsort etabliert. Die Preise stiegen in dieser Woche auf ein neues Rekordniveau nahe 5.100 US-Dollar je Unze und spiegeln eine stetige Nachfrage nach Vermögenswerten wider, die als stabil und bewährt gelten. Tim Sun, Senior Researcher bei der HashKey Group, verwies auf die lange Geschichte von Gold und seine geringere Volatilität als entscheidende Vorteile in Stressphasen.
Bitcoin hingegen bleibt außen vor.
Seine Kursschwankungen erschweren es, große Safe-Haven-Zuflüsse aufzunehmen, insbesondere von Investoren, die Kapitalerhalt über Aufwärtspotenzial stellen. Sun wies zudem auf eine demografische Dimension hin: Ein Großteil des globalen Vermögens wird von Investoren über 50 gehalten, von denen viele erlebt haben, dass Gold sich über mehrere Krisen hinweg zuverlässig behauptet hat. Für diese Gruppe wird Bitcoin häufig noch als spekulativer Technologie-Asset und nicht als Wertaufbewahrungsmittel betrachtet.
Liquiditätsabfluss ohne Panik
Insgesamt deuten schrumpfende Stablecoin-Bestände, stagnierende Derivatepositionierungen und gedämpfte Kursbewegungen auf einen Markt hin, der einen stillen Deleveraging-Prozess durchläuft, anstatt in eine offene Kapitulation zu verfallen. Kapital verlässt das Krypto-Ökosystem, jedoch ohne die ungeordnete Verkaufsdynamik, die typischerweise Panikphasen kennzeichnet.
Derzeit spiegelt die enge Handelsspanne von Bitcoin dieses Gleichgewicht wider. Investoren scheinen weder bereit, dem Risiko nach oben hinterherzulaufen, noch gewillt, auf dem aktuellen Niveau erzwungene Ausstiege vorzunehmen. Der Markt verharrt damit in einem Wartemodus, der stärker von makroökonomischen Kräften als von internen Krypto-Dynamiken geprägt ist.

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